Ein Interview mit Metz mecatech und Würth Elektronik Circuit Board Technology

Ihm wurde eine Top-Leistung bescheinigt und eine Summe an Eigenschaften, die ihn zum Kraftzwerg stilisiert. Er kommt daher mit einer guten Figur, ist attraktiv, einzigartig, beweist ein hohes Niveau und hat es faustdick hinter den Ohren… Das könnte jetzt aus einer Anzeige der Partnerschaftsvermittlung stammen. Wer hier aber so auf Anhieb überzeugt und dafür vielfach ausgezeichnet wurde, ist der Metz mecablitz M400 in diversen Testberichten.

Ein Systemblitzgerät, das kompakt ist, einfach zu bedienen, leicht an Gewicht und dabei noch leistungsstark. Welche Herausforderungen und Probleme bringt eine solche Entwicklung mit sich? Ein Interview-Team hat sich auf die Spurensuche nach den Anfängen gemacht und überraschende Antworten in der Leiterplattenindustrie gefunden. Ein Gespräch mit Metz mecatech und Würth Elektronik Circuit Board Technology (CBT).

Sie wollten bei Metz ein neues Systemblitzgerät auf den Markt bringen. Über welchen Zeitraum lief das Projekt „M400“, von der Idee bis zur Markteinführung?

Andreas Hofmann: Die Idee schwebte schon einige Zeit im Raum, aber als wir dann richtig eingestiegen sind, ein intensives dreiviertel Jahr.

Andreas Schilpp: Ein sportliches Zeitfenster!

Michael Sperber: Wir hatten Zeitdruck durch eine anstehende Messe: Wir wollten bei der Photokina präsentieren. Das pusht aber auch. Sonst ist man im Dezember noch nicht fertig.

Wie lautetet in Kurzform das Briefing von Metz für die Entwicklung?

Manfred Wetzstein: Wir wollten eine neue Generation kompakter Systemblitzgeräte schaffen, einen Allrounder, dabei so klein wie möglich. Und mit Batterien, die man an jeder Tankstelle kaufen kann. Die vier Mignonzellen gaben die minimale Größe vor. Darum herum mussten wir die Leiterplatte und das Gehäuse anlegen.

Welche besonderen Herausforderungen kamen damit auf Sie zu?

Andreas Hofmann: Das Interessante gerade bei diesem Projekt war es, alle technischen Bedürfnisse besonders für spiegellose Systemkameras zu erfüllen…

Gerd Wunner: … und dabei die Baugröße des Blitzgerätes auf ein Minimum zu verkleinern und das bei einer hohen Leitzahl 40 und mit Ausstattungsmerkmalen wie LED-Videolicht und OLED-Anzeige.

Kurz dazwischen: Wie groß, bzw. klein ist das Ergebnis?

Michael Sperber: Die Maße des mecablitz M400 mit nach oben geschwenktem Reflektor sind ca. 140 mm x 65 mm x 62 mm (H x B x T).

Die Leiterplattenlösung auf dem minimalen und dazu noch dreidimensionalen Raum, war also eine echte Herausforderung?

Gerd Wunner: Richtig. So sind wir auf die Semiflex-Technologie gekommen. Die Darstellungen bei Würth Elektronik CBT auf der Webseite und in Webinaren haben uns zum Hörer greifen lassen.

Andreas Schilpp: Ich kann mich noch an die erste Abstimmungs-Runde erinnern. Es war sofort klar, dass für dieses Projekt eine räumlich angelegte Leiterplattenlösung, der Biegeradius und die Biegezyklen die entscheidenden Rollen einnehmen und den Rahmen vorgeben. Passend zur Vorgabe hat die Semiflex-Technologie auch ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Robert Tofan: Im Februar 2016 kam die erste Lagenaufbauanfrage, die Ansprechpartner kannte ich schon vom ersten Besuch einige Monate zuvor. Dann wurde alles schnell immer konkreter, dringender und tiefgründiger, sodass wir dann mit Herrn Schilpp gemeinsam zum Kunden gefahren sind.

Die Produktingenieure bei Würth Elektronik CBT hatten dazu gleich eine Idee?

Gerd Wunner: Ja, sie konnten helfen und nicht nur auf die Komponenten und den Bauraum bezogen. Die semiflexible Leiterplatte reduziert Kosten, wenn wir sie mit Starrflex vergleichen. Und im Vergleich zur Modultechnik konnten wir eine Kosteneinsparung realisieren, durch die konsequente Einsparung von Verbindungselementen, wie Stecker und Leitungen. Das kam uns zugute.

Andreas Schilpp: Vielleicht kurz das Prinzip von Semiflex in zwei Sätzen: Semiflexible Leiterplatten sind im Prinzip starre Leiterplatten ohne teure, flexible Polyimidmaterialien. Die Biegbarkeit entsteht durch die Reduzierung der Leiterplattendicke in den Biegebereichen, üblicherweise durch einen Tiefenfräsprozess.

Gab es Probleme in der Verarbeitung? Etwa mit dem Biegeradius?

Andreas Hofmann: Tatsächlich ging alles gut vonstatten. Der Einsatz der Semiflex-Technologie hat sich in der Produktion als absolut unproblematisch herausgestellt.

Manfred Wetzstein: Natürlich haben wir uns in der Entstehungsphase viele Gedanken gemacht, ob man Warmbiegen muss, Haken für die Aufhängungen benötigt, oder ähnliches, das war aber alles nicht notwendig.

Andreas Hofmann: Auch die in den Designregeln beschriebenen 200 µm Restdicke und die Dickentoleranz kamen mir erst einmal kritisch vor. Vor allem weil wir uns anfangs noch nicht sicher waren, ob wir mit einer Kupfer-Lage im semiflexiblen Bereich auskommen oder doch zwei brauchen.

Andreas Schilpp: Das verstehe ich natürlich, wenn man das erste Mal damit umgeht. Wir haben aber schon viel positives Feedback bekommen von unseren bisherigen Kunden, auch aus automotiven Anwendungen. Es herrscht bereits hohes Vertrauen in die Technologie, auch wenn es erstmal unsicher aussieht mit + - 50 µm.
Auch die Abwägung zwischen den beiden Ansätzen

  • zweilagiger Semiflexbereich, oder
  • feinere Strukturen, also Verdrahtungsdichte auf einer Lage

ist ein wichtiger Diskussionspunkt. Im Vergleich zu Kabel und Steckern haben wir einen großen Vorteil durch die Möglichkeit viel feinerer Strukturen in der Leiterplattentechnik, den man sich auch unter dem Gesichtspunkt Herstellbarkeit und Kosten ansehen muss.

Feinere Strukturen sind die bevorzugte Option?

Andreas Schilpp: Es hängt von der Anwendung ab: Es könnte sein, dass eine zweite Lage aus Signalintegritätsgründen z.B. für schnellere Signale bzw. hohe Datenraten (USB3.1 zum Beispiel) gebraucht wird – dann sind feinere Strukturen auf einer Lage keine Alternative, weil dann die Referenzlage wegfallen würde.

Die Beratung in der Entwicklung ist also erfolgskritisch?

Andreas Schilpp: Aus meiner Sicht unbedingt. Es ist grundsätzlich wichtig, dass an den entscheidenden Weichenstellungen mit den Leiterplattenexperten diskutiert wird.

An was denken Sie da noch zum Beispiel?

Andreas Schilpp: Beispiel Leiterbreiten und -abstände (Line / Space). Für uns als Hersteller ist im Design der Abstand zwischen den Leitern viel wichtiger – der tut uns weh – aber es wird immer symmetrisch diskutiert und jeder geht lieber zunächst auf die nächst feinere, symmetrische Seite. Jeder, mit dem ich ins Gespräch gehe, ist überrascht über die Möglichkeit des unsymmetrischen Ansatzes mit feineren Leiterbreiten bei größeren Abständen, gibt mir aber Recht. Im Grunde ist es ganz einfach, man muss aber die Herstellprozesse verstehen und das tut keiner, der nicht aus der Leiterplattenproduktion kommt.

Was liegt denn hier übrigens bei Ihnen auf dem Tisch? Das hat jetzt nichts mit dem M400 zu tun, oder?

Andreas Schilpp: Ein alter, lädierter Blitz, der lag noch bei mir im Keller. Den habe ich mal aufgeschraubt und mitgebracht. Schauen Sie sich nur die ganzen verschiedenen Kabel an…

Manfred Wetzstein: (lacht) Eine große Fehlerquelle. Das haben wir mit dieser Entwicklung und dem kompakten Blitzkopf minimiert.

Wenn ich mir den Kopf so anschaue – gab es hier noch spezielle Herausforderungen?

Manfred Wetzstein: Der Kopf war noch eine Herausforderung, dass man da alles unterbekommt. Für die Blitzröhre werden kurzzeitig hohe Spannungen von ca. acht KV benötigt. Hier ist es wichtig die notwendigen Sicherheitsabstände einzuhalten.

Wie hoch waren die Layoutanforderungen an Sie mit dieser Technologie?

Andreas Hofmann: Es gibt natürlich einige Dinge die man beim PCB-Design beachten muss, gerade an den Übergängen zwischen semiflexiblen und starren Bereichen. Genau darauf gehen die Design-Richtlinien von Würth Elektronik CBT aber detailliert ein. Gerade auch bei der Schaltbild-Erstellung kann durch die Starrflex-Technologie viel Zeit gespart werden, weil für den Layouter das Aufteilen der Gesamtschaltung in die einzelnen Leiterplattenteile entfällt. Dadurch sinkt auch die Fehleranfälligkeit, weil die Schnittstellen zwischen den einzelnen Modulen nicht aufwendig gepflegt werden müssen. Im Besonderen hat sich die Semiflex-Technologie allerdings im Produktionsprozess bewährt, weil keine Verbindungen mehr falsch gesteckt werden können. Die Montage und der Test sind viel einfacher.

Ihr Produkt wurde vielfach ausgezeichnet. Welche Vorteile sehen Sie gegenüber dem Wettbewerb? Und hat die Leiterplattenlösung dazu beigetragen?

Michael Sperber: Ja, die Kompaktheit bei gleichzeitiger Leistungsstärke konnten wir nur über eine solche Lösung erreichen. Die Effizienz, der Qualitätsindex, wie das Produkt gebaut ist, Ausstattung, Features, … der ganze Markt hat sich geändert... Wer spiegellos unterwegs ist, will sich keinen Riesen-Blitz draufpacken.

Was aber auch als Kaufargument wichtig ist, ist der schnelle Service und Kundendienst und unsere Bedienerphilosophie: Vor einiger Zeit hat sich zum Beispiel ein Kunde gemeldet, dass ein Kabel nach 40 Jahren seinen Geist aufgegeben hätte. Das müsse ja wohl ein Produktionsfehler sein. (alle lachen). Wir haben aber tatsächlich Koryphäen als Kundendienst, die sich bei solchen, einfach zu behandelnden, aber auch bei kniffligen Problemen direkt mit den Kunden austauschen, Auskunft geben und sich Mühe machen.

Jetzt möchten viele sicher wissen: Wie ging es mit dem 40 Jahre alten Kabel aus? Die Garantie war ja wohl doch eine Weile schon abgelaufen?

Michael Sperber: Zweifellos. Aber wir fanden den Fall sehr nett und haben es tatsächlich ausgetauscht. Der Herr war sehr glücklich und für uns ist es eine schöne Anekdote und steht für unsere Haltung.

Richtig ist aber auch, dass Metz auch als EMS Dienstleister tätig ist? Machen Sie für Ihre Kunden auch die Gerätemontage?

Michael Sperber: Richtig, wir bieten bereits im Blitzbereich und in Zukunft auch allgemein im Elektronikbereich Gerätemontage für unsere Kunden an.

Außerdem kann man bei Ihnen noch etwas entdecken: Einen Elektroroller?

Michael Sperber: Das ist unser Metz moover. Seit ungefähr vier Jahren steht bei uns die E-Mobilität ebenfalls im Fokus. Wir sehen etwa eine Metz moover-Flotte im Werksverkehr als effektive, zukunftssichere Ergänzung.

Wo lassen sie fertigen?

Michael Sperber: Direkt hier bei uns am Standort. 100 Prozent Made in Germany.

Die innovativen Ideen gehen auf beiden Seiten nicht aus. Als Abschluss: Wie ist ihr Kooperations-Fazit auf Metz- und Würth-Elektronik-Seite?

Michael Sperber: So wie ich es sehe, würden wir wieder so zusammenarbeiten, denn es hat ja super funktioniert.

Andreas Hofmann: Da schließe ich mich an. Die Beratung und der Support stimmten. Bei Fragen und Problemen hatten wir immer den direkten Draht von Standort zu Standort. Die Abstimmungswege waren kurz. Alles bestens.

Robert Tofan: Für uns war es ein sehr schönes Projekt, eine solche Abschlussrunde war aber auch wichtig, damit wir hören, wie es dem Kunden ergangen ist, wo wir uns verbessern können und natürlich auch um perspektivisch über Zukunftsprojekte zu sprechen.

Andreas Schilpp: Für mich war es auch ein Anliegen zu hören, wie das, was ich damals „angezettelt“ habe, beurteilt wird. Und mit diesem tollen Produkt haben wir auch eine „Blaupause“ für miniaturisierte Geräte mit hohem Energiebedarf, bei dem die Elektronik platzsparend um den Energiespeicher gebaut wird.

Mit diesen Sätzen zu „Made in Germany“, und der Vorfreude auf immer weitere Innovationen, beenden wir gerne das Gespräch. Vielen Dank!

Im Interview:

Metz mecatech GmbH:

  • Andreas Hofmann, Entwicklung Fotoelektronik
  • Gerd Wunner, Head of Development Photo Electronics
  • Manfred Wetzstein, Head of Mechanical Design
  • Michael Sperber, Head of Marketing

Würth Elektronik GmbH & Co. KG Circuit Board Technology:

  • Andreas Schilpp, Produktmanager Starrflex / Technisches Marketing
  • Robert Tofan, Verkauf Außendienst

Datenblatt zu Metz mecablitz M400

Abmessungen B x T x H: 65 x 78 x 90 mm

Blitzsteuerung: Auto (TTL)

Energieversorgung: 4x Mignon (AA)

Features: Slave-Funktion, Slave S1, S2, Auslösung auf 2. Vorhang, HSS / Kurzzeitsynchronisation, Master-Steuerungsfunktion

Gewicht: 330 g

Leitzahl: 40 (ISO 100; 105 mm)

Schwenkreflektor: Ja

Typ: Aufsteckblitz

Verfügbar für: Canon, Fuji, Leica, Nikon, Olympus, Panasonic, Pentax, Sony